So packt man den Rucksack richtig

Weniger ist oft mehr / Ein durchdachtes System hilft in kritischen Situationen

von Steffen Müller

„Je größer der Rucksack, desto mehr Unnötiges packt man ein“, sagt Tom Regelmann, staatlich geprüfter Bergführer und sommers wie winters in den Bergen unterwegs. Zu Fuß, an steilen Wänden, auf hohen Gipfeln, mit dem Mountainbike oder auf den Tourenski – der Calwer weiß, wovon er spricht. Mit Bergführer-Kollegen arbeitet er an der Entwicklung der Gravity-Rucksack-Serie von Deuter. „Abenteuer Alpen“ verrät er, worauf man beim Rucksack und beim Packen achten muss, was verzichtbar ist und was unter allen Umständen mit muss.   

 

Der Rucksack

Es gibt inzwischen für jede Disziplin spezielle Rucksäcke. Mit guten Allroundern kann man aber wandern, klettern und biken gleichermaßen. Am besten man wählt ein Modell aus, das am besten zu der Disziplin passt, die man am häufigsten ausübt: „Ich empfehle Rucksäcke mit 25 bis 40 Litern Fassungsvermögen. Das reicht für die meisten Unternehmungen. Es sei denn, ich plane eine lange Durchschreitung“, sagt Tom Regelmann.

Wenn Ordnung das halbe Leben ist....

Grundsätzlich sollten die schweren Gegenstände im Rucksack oberhalb der Hüfte, möglichst nah am Rücken transportiert werden. „Mindestens so wichtig ist aber, dass ich mich in meinem Rucksack zurechtfinde“, sagt Tom Regelmann. „Deshalb packe ich meinen Rucksack immer nach dem gleichen System. Wichtig ist, dass ich weiß, wohin ich greifen muss. Notfalls auch im Dunkeln oder in kritischen Situationen.“ Bekleidung sollte dabei immer zusammengerollt werden. So kann man sie leicht herausholen und auch wieder einpacken.   

Völlig unnötig

„Da gibt es ganz klar zwei Dinge, die meine Kunden immer wieder mit sich herumschleppen“, sagt Regelmann. Ganz oben auf der Streichliste: Jeans. „Die sind schwer, saugen sich bei Regen voll und nehmen viel Platz weg. Besser man nimmt eine kurze Hose für die Hütte mit, die kann man, wenn es warm ist, auch zum Laufen verwenden“, sagt der Bergführer. Nummer 2 auf der Streichliste: Turnschuhe. „Auf fast jeder Hütte sind Schuhe vorhanden. Besser man nimmt einfach ein zweites Paar Socken mit, sonst höchstens leichte Hüttenschuhe.“ Ebenfalls fehl am Platz sind große Baumwollhandtücher: „Auf den hoch gelegenen Hütten kann man selten duschen. Ich empfehle ein kleines, leichtes Kunstfasertuch. Das reicht völlig aus.“

Das wird gern vergessen

Bei jeder Gebirgstour gehören ein Biwaksack und ein Erste-Hilfe-Set für Notfälle in den Rucksack. Außerdem wird gern die Stirnlampe vergessen. „Die hilft einerseits im Hüttenlager, wenn man nachts raus muss und nicht den ganzen Schlafsaal aufwecken will, andererseits – und das ist viel entscheidender - ist sie enorm hilfreich, wenn man in die Dunkelheit kommt. Das passiert häufiger, als einem lieb ist“, sagt Tom Regelmann. Ebenfalls wichtig: Bargeld. Mit Kredit- und meist auch mit Maestro-Karten sieht man auf vielen Berghütten alt aus.

Essen und Trinken

Während man sonst mit dem Gepäck haushalten sollte, sollte man in Sachen Getränke und Vesper nicht allzu sparsam sein: „Bei einer Tagestour ohne Einkehrmöglichkeiten sollte man mindestens 2, besser 3 Liter zum Trinken mitnehmen“, sagt Tom Regelmann. Zum Essen bevorzugt der Bergführer ein richtiges Vesper mit Brot, Käse oder Wurst und Gemüse: „Wenn man besonders schnell und besonders leicht unterwegs sein will, kann man natürlich auch zu Riegeln greifen. Überall da, wo es nicht auf ein paar Minuten ankommt, würde ich immer das empfehlen, was einem schmeckt.“

Grundausstattung

Selbstverständlich gehören im Gebirge zudem eine Membranjacke, eine wärmende Zwischenschicht, ein Shirt zum Wechseln und in höheren Regionen auch im Sommer Mütze und Handschuhe in den Rucksack. Ebenso wichtig sind Sonnencreme und eine Sonnenbrille – und auch ein Handy mit geladenem Akku für Notfälle.  

Spezialausrüstung

Beim Wandern, Bergsteigen, Klettern und Biken bedarf es einer speziellen Ausrüstung. Persönliche Beratung gibt es bei Toms Bergsport, ausführliche Packlisten zum Beispiel unter
www.alpenverein-schwaben.de unter dem Menüpunkt „Aktiv“ / “Kursinfos“.

Infos

Rucksack-Tipps

Deuter Guide 35+ und 30+ SL

Ein absoluter Klassiker von Deuter. Perfekt zum Klettern, Wandern und auf Hochtouren. Er ist groß genug für Tages- und kürzere Mehrtages-
touren im Gebirge (SL-Version speziell für Frauen).
www.deuter.com

Evoc Explorer Pro

Eigentlich ein 30-Liter-Bikerucksack für Mehrtagestouren, der ebenso zum Wandern funktioniert. Ein guter Kompromiss also für Mountainbiker, die auch gerne mal zu Fuß unterwegs sind.
www.evocsports.com

Mountain Equipment Tupilak 30

Ein minimalistischer und leichter Kletterrucksack, der alles bietet, was man wirklich braucht. Funktioniert genauso gut auf Hochtouren und Wanderungen.
www.mountain-equipment.de